Vaterherz Podcast · Folge 21 · 10. September 2025 · 12 Minuten
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Worum es in dieser Folge geht
Heute sage ich dir etwas, was kein Erziehungsratgeber je sagen würde: Du wirst es verkacken. Und das ist das Beste, was dir als Papa passieren kann. Viele von uns, die wirklich gute Väter sein wollen, fühlen sich permanent getrieben. Alles hängt an mir, alles muss besser werden, noch mehr, noch schneller. Und die wenigsten von uns haben gelernt, einfach da zu sein, ohne etwas zu leisten.
In dieser Folge geht es um den Performancedruck, den wir als Väter mit uns tragen, um die Angst vor dem Kontrollverlust, die dahintersteckt, und darum, was passiert, wenn wir Scheitern als das begreifen, was es ist: der einzige Weg, auf dem wir gute Väter und gute Partner werden. Und darum, warum unsere Kinder sich entspannen, wenn wir zu unseren Fehlern stehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Wer ein guter Vater sein will, fühlt sich oft permanent getrieben. Der Druck kommt aus der Angst vor Kontrollverlust.
- Ständig mehr zu leisten macht keine Beziehung besser. Da zu sein, ohne etwas zu leisten, ist für Kinder die wichtigste Erfahrung.
- Gute Väter werden wir nur, indem wir einen Fehler nach dem anderen machen und daraus lernen.
- Wenn ich zu meinen Fehlern stehe und mich ehrlich entschuldige, können sich meine Kinder entspannen. Und ich auch.
Transkript
Gesprochene Sprache, automatisch transkribiert und behutsam geglättet. Füllwörter und Wiederholungen sind gekürzt, der Wortlaut ist erhalten.
Du wirst es verkacken
Heute sage ich dir etwas, was kein Erziehungsratgeber je sagen würde: Du wirst es verkacken. Und das ist das Beste, was dir passieren kann als Papa. Ich glaube, dass es bei mir wirklich lange gedauert hat, bis diese Lektion angekommen ist, und ich bin mir noch gar nicht so sicher, ob sie wirklich angekommen ist. Denn dann könnte ich mir erlauben, langsamer zu sein, auch mal stillzustehen, präsenter zu sein, weil ich nicht den ständigen Antrieb hätte, immer in Bewegung zu bleiben, alles noch besser zu machen, noch mehr zu machen.
Ich glaube, viele von uns, vielleicht sogar die meisten, die wirklich gute Väter sein wollen, fühlen sich permanent getrieben. Sie haben permanent das Gefühl: Alles hängt an mir. Gerade was die finanziellen Aspekte angeht, gerade was das angeht, die Dinge zu liefern, von denen wir glauben, dass wir sie liefern müssen, die Dinge, die wir von unserer Partnerin aufgetragen bekommen und die wir im Vorauseilen größer machen, damit es bloß keinen Ärger gibt, damit nichts zusammenbricht. Viele von uns versuchen aus dieser Angst heraus, dass es zusammenbricht, dass Dinge nicht mehr gut genug sind, dass wir nicht mehr gut genug sind, alles im Griff zu behalten, und sind immer wieder in der Anspannung, das alles am Laufen zu halten.
Die wenigsten von uns haben gelernt, wirklich da zu sein, innezuhalten und auszuhalten, dass wir gerade nichts physisch Sichtbares leisten. Obwohl das vermutlich sogar die wichtigste Erfahrung für unsere Kinder wäre: wenn wir wirklich da sind, nichts vorhaben, nichts leisten wollen, sondern einfach nur da sind. Und dass wir dann vielleicht sogar die Erfahrung machen: Ich brauche nichts zu leisten, um wertvoll zu sein, um geliebt zu werden. Ich glaube, das ist das, was wir eigentlich unseren Kindern mitgeben wollen. Das Blöde ist nur, dass die wenigsten von uns das gelernt haben und sich selbst zugestehen.
Ständig mehr macht die Beziehung nicht besser
Deswegen ist mir das so wichtig: Ständige Leistung, ständig noch mehr, ständig verbessern führt nicht dazu, dass ich unbedingt eine bessere Beziehung führe, dass ich mich zufriedener, friedlicher, mehr in Ruhe, selbstbestimmter fühle. Dafür gibt es eine ganze Menge Gründe. Einige davon habt ihr wahrscheinlich schon gehört, wenn ihr meinen Podcast hört: die Ängste, die immer wieder mitschwingen, die verknüpft sind mit den Erwartungen, die wir an uns Väter haben. Und ich bin natürlich einer, der im öffentlichen Raum Anforderungen formuliert, die es nicht unbedingt entspannter machen, die mehr stressen können. Obwohl mein Ziel immer ist, durch mehr Selbstverantwortung, mehr Selbstfürsorge, mehr Selbstreflexion die Dinge klarer zu gestalten, damit es entspannter werden kann. Aber all die Dinge, die wir hören, was mehr Augenhöhe angeht, Bedürfnisorientierung und all diese Ansätze, das macht eine ganze Menge Druck, und ich verstehe das.
Auch mir, obwohl ich in den letzten Jahren wirklich sehr viel lernen durfte, fällt es schwer, mir zuzugestehen, dass ich auch jetzt noch Fehler mache, immer wieder, viel häufiger, als ich denke. Das ist zeitweise unangenehm, aber es kann auch massiv entlasten. Es gibt das Zitat von Jesper Juul, dass wir als Eltern Dutzende Fehler am Tag machen, ich glaube, er spricht von durchschnittlich 75. Ich weiß nicht, woher die Zahl kommt, aber ich glaube, sie hilft zu betonen, wie häufig das wirklich sein kann. Es gibt so viele Dinge, die wir bei unseren Kindern verkacken können, und das ist okay. Das habe ich an anderer Stelle gesagt: Es ist die Frage, wie wir damit umgehen, wie wir daraus lernen, wie wir Verantwortung dafür übernehmen.
Natürlich gibt es Dinge, die wir über die lange Zeit mit unseren Kindern immer wieder nicht so hinbekommen, wie es optimal wäre. Es wird Stressphasen geben, Phasen, in denen wir unfair sind, gemein sind, nicht präsent sind. Auch das ist okay anzuerkennen, wenn ich daraus schließe: Ich möchte für mich akzeptieren, dass das passiert, und gleichzeitig möchte ich, dass die Phasen mehr werden, in denen ich präsent bin, in denen ich mir zugestehen kann, langsamer zu sein. Vieles von dem, was ich hier beschreibe, passiert aus der Überforderung, daraus, dass es zu viel wird, dass wir immer mehr machen, dass wir Angst vor dem Versagen haben, Angst vor der Ohnmacht, und genau deshalb noch mehr machen, damit dieser Kontrollverlust nicht entsteht. Weil wir wissen: Wenn wir die Kontrolle verlieren, wird es unangenehm für uns und vermutlich auch für unser Umfeld. Da ist massiver Druck drin, in dieser Bewegung zu bleiben, in dem Mehr zu bleiben.
Sich hineinscheitern ins gelingende Vatersein
Was passiert aber, wenn wir anfangen, das Ganze umzudrehen? Wenn wir Scheitern als Chance verstehen, wenn wir uns sozusagen hineinscheitern in das gelingende Vatersein? Wenn wir akzeptieren, dass wir nur gute Väter, gute Partner werden können, wenn wir einen Fehler nach dem anderen machen? Ich glaube, das wissen wir eigentlich, aber ich betone es hier noch mal. Was wir in Unternehmen oft Fehlerkultur nennen, hier geht es darum, mir selbst zuzugestehen, dass ich lernen darf, dass ich noch nicht alles können muss. Das kann der wirklich wichtigste Schritt sein: Ich gestehe mir zu, das noch nicht zu können, und ich mache einen Schritt nach dem anderen, immer wieder mit dem Bewusstsein, dass ich auch zwei Schritte zurückgehe, dass ich wieder vor die Wand fahre, dass ich wieder die Erfahrung mache, so wollte ich es nicht haben. Und trotzdem dranbleibe und nicht aufgebe, weil nur so wirkliche Entwicklung passiert.
Wenn wir Dinge anders wollen, müssen wir sie anders machen als bisher, eigentlich ganz logisch. Und dennoch springen wir immer wieder zurück zu Dingen, die uns nicht guttun, mit denen wir genau das verstärken, was wir in der Beziehung zu unseren Kindern und in der Partnerschaft nicht haben wollen. Aber weil wir so viel Angst haben, dass es noch schlimmer werden könnte, trauen wir uns nicht, ein neues Fundament zu legen und zu sagen: Ich kann das jetzt in der Tat noch nicht. Aber ich kann es auch nicht lernen, wenn ich es nicht selbst neu probiere, wenn ich nicht selbst neue Erfahrungen mache, die mir mehr Sicherheit geben, und mit denen ich ab und zu besser damit umgehen kann, wenn es mir mal nicht gelingt.
Ehrlicher werden, mit mir und meinen Kindern
Ich kann ehrlicher mit mir werden, wenn ich mir das eingestehe. Ich kann ehrlicher in der Partnerschaft sein. Ich kann ehrlicher gegenüber meinem Sohn, meiner Tochter sein, dass mir bestimmte Dinge nicht gelungen sind, und sie machen die Erfahrung: Beim Papa ist klar, dass er sich Mühe gibt, dass er wirklich das Beste für uns versucht, aber dass er manchmal nicht so kann, wie er will. Das kann mich als Kind entspannen, weil das bei mir natürlich auch so ist. Auch ich möchte nicht beschämt werden, nicht allein sein mit den Situationen, auch ich darf Fehler machen. Durch dieses authentische Sein in der Familie können wir ein großes Vorbild sein und dann vielleicht die Erfahrung machen, dass wir uns gegenseitig unterstützen, dass wir gemeinsam lernen, weil wir wissen: Das, was wir als Anspruch an unsere Familie haben, ist etwas völlig Neues und alles andere als einfach und selbstverständlich.
Damit ist auch verbunden: In dem Moment, in dem ich mich befreie von diesem ständigen Druck, diesem ständigen Sich-selbst-Abwerten, dieser Schuld, diesem schlechten Gewissen, fange ich an, mein Leben, meine Verantwortung und auch meine Beziehungen zurückzuerobern. Oder ich mache überhaupt zum ersten Mal die Erfahrung: Ich kann das gestalten. Indem ich meinen Kindern ehrlich sage: Hey, das war Mist, das tut mir leid. So wollte ich das nicht, aber ich konnte es in dem Moment nicht anders. Ich werde es morgen und übermorgen wieder neu versuchen. Im besten Fall kommt daraus ein neuer Stil heraus, an Vatersein, an Partnerschaft, ein neuer Umgang mit unseren Kindern, der viel mehr mit Langsamkeit zu tun hat, mit der Akzeptanz: Wir müssen nicht ständig mehr leisten.
Unsere Kinder spüren, wenn wir unecht sind, wenn wir im Zombie-, im Autopilotenmodus sind. Wenn wir ehrlich sagen, wo wir gerade stehen, ohne die Last unseren Kindern aufzutragen, dann entlastet das unsere Kinder, weil sie dann ins Verhältnis setzen können, was sie sowieso die ganze Zeit spüren. Wenn wir Verantwortung übernehmen für eine vermeintliche Schuld, können sich unsere Kinder entspannen. Und wir ebenso. Weil es dann nicht ständig noch mehr Unausgesprochenes gibt, das zwischen uns unnötig anspannt. Wir können Vorbilder werden dafür, was es heißt, wirklich menschlich Beziehung gestalten zu wollen, mit allem, was daran manchmal ganz schön unangenehm und anstrengend ist. Aber auch das ermöglicht uns diese Nähe, diese Verbindung, nach der wir uns eigentlich die ganze Zeit sehnen und die wir oft noch gar nicht so richtig erfahren konnten, weil wir dermaßen im Funktionieren, im Liefern sind, dass wir uns davon vielleicht ein ganzes Leben lang aussperren.
Echte Männlichkeit
Für mich ist echte Männlichkeit genau das: anzuerkennen, was ich nicht leisten kann, noch nicht leisten kann, wo ich verletzlich bin, wo ich unsicher bin, und die Möglichkeit zu haben, das wirklich zu kommunizieren. Wo ich mich traue, es mir selbst einzugestehen und in Dialog zu gehen mit den Menschen, die mir wichtig sind. Vertrauen zu lernen, dass es okay ist, Dinge zu verkacken, und dass meine Beziehungen und mein eigener Wert dadurch nicht weggerissen, nicht erschüttert werden.
Im Grunde geht es hier vor allem darum, aus diesem permanenten Performancedruck herauszukommen, und viele von euch haben eine Ahnung davon, wovon ich rede und woher das Ganze kommt. Diesen Performancedruck nach und nach zu reduzieren, nicht von heute auf morgen, sondern in kleinen Schritten, und sich zuzugestehen, dass wir mehr sind als das, was wir jeden Tag an Performance liefern. Als Schlusssatz: Perfekte Väter gibt es nicht. Das habe ich oft gesagt, und das weiß ich durch mein eigenes, immer wiederkehrendes Scheitern ganz genau. Aber ich glaube, es macht einen Unterschied, wenn wir Väter zu unseren Fehlern stehen und daraus lernen. Genau das ist die Erfahrung, die unsere Kinder brauchen.
Zum Abschluss noch einmal die Frage: Wann hast du das letzte Mal zugegeben, dass du Fehler machen darfst? Schön, dass du zugehört hast, und ich freue mich, dich bei der nächsten Folge wieder dabei zu haben. Bis dahin.
Wenn dir diese Folge etwas gebracht hat: Teile sie mit jemandem, für den sie wichtig sein könnte, und hinterlasse eine Bewertung, damit mehr Väter sie finden. Im Oktober 2026 erscheint mein Buch „Radikal Vater sein“, in dem ich 24 Schlüssel in den vier Dimensionen Selbst, Familie, Beruf und Gesellschaft ausführe. Ein signiertes Exemplar kannst du direkt bei mir vorbestellen.

