Das Wichtigste in Kürze
- Väter entwickeln eine eigene Bindung zum Kind vor allem dann, wenn sie Alltag allein mit ihm verbringen dürfen.
- Erst wenn Väter volle Verantwortung übernehmen müssen, entsteht die große Lernkurve. Das zeigen meine Arbeit und die Forschung.
- Mütter müssen nicht alles leisten und im Blick haben. Der Vater ist im besten Fall die Ergänzung ihrer Stärken.
- Gleichberechtigte Elternschaft beginnt mit der ehrlichen Beobachtung, wie Aufmerksamkeit im Tag verteilt ist.
Viele Väter wünschen sich eine vergleichbare Beziehung zu ihren Kindern, wie Mütter das im besten Falle entwickeln können. Und auch viele Mütter merken, dass es den Männern an ihrer Seite nicht immer so gelingt, wie das vielleicht gut wäre. Gerade wenn die Kinderbetreuung ausfällt, können Väter größere Schritte hin zu einer guten Vater-Kind-Bindung machen.
Die folgenden 10 Impulse helfen euch dabei, den Weg zu einer bewussteren, gleichberechtigten Elternschaft besser zu gestalten:
1. Beobachtet euch selbst im Verlaufe des Tages
Wie viel Aufmerksamkeit gebt ihr eurem Kind? Wie viel euch selbst und eurem Mann? Wenn ihr merkt, dass es dabei große Ungleichgewichte gibt, wird das auf Dauer zu Schwierigkeiten führen. Hier lohnt es sich, wenn immer möglich, bewusst Zeit auch für sich selbst und den Partner einzuplanen und das auch konsequent umzusetzen.
2. Hat der Vater eurer Kinder wirklich die Gelegenheit, Alltag mit euren Kindern zu verbringen?
Wie viel Zeit hat er allein mit dem Kind? Meine Erfahrung in der Arbeit mit Vätern und die Forschung zeigen: Erst wenn Väter volle Verantwortung übernehmen müssen, dürfen, können, gibt es eine große Lernkurve. Macht euch bewusst, dass ihr nicht alles leisten, im Blick oder gar unter Kontrolle haben müsst. Der Vater eurer Kinder ist im besten Falle die Ergänzung zu euren eigenen Stärken. Ihr beide habt gemeinsam so viel mehr Möglichkeiten, eure Kinder bestmöglich zu begleiten! Auch und besonders nach einer Trennung.
3. Vertraut darauf, dass er seinen eigenen Weg finden wird, mit eurem Kind zu wachsen
Genau wie ihr als Mütter müssen auch Väter in ihre Rollen wachsen, lernen und auch Fehler machen. Vertraut darauf, dass auch Väter Trost und Geborgenheit spenden (lernen) können, auch wenn sie es selbst nicht ausreichend erfahren haben. Wenn Männer die Gelegenheit wahrnehmen (und auch bekommen), sich mit ihren Kindern (und euch als Partnerinnen) weiterzuentwickeln, gibt es nichts Besseres für die Bindungsbeziehungen in eurer Familie.
4. Gebt ihnen bewussten Spielraum, Tage anders zu gestalten
Traut ihnen zu, gemeinsam mit den Kindern Fähigkeiten und Grenzen auszuloten. Und natürlich geht das oft ein wenig tollkühner zu, als ihr das angehen würdet. Dafür sind Väter aber u. a. da: Vertrauen in die Welt und die eigenen Fähigkeiten zu stärken, sich mutig mit den Herausforderungen auseinanderzusetzen, die sich stellen. Und gleichzeitig emotionale Nähe zu zeigen, auch da zu sein, wenn ein Kind Trost und Verständnis braucht.
5. Achtet auf eure Mimik, auf eure Haltung und eure Worte dem Vater eurer Kinder gegenüber
Seid ihr hier genauso „auf Augenhöhe“ wie mit eurem Kind? Akzeptiert ihr wirklich die Andersartigkeit des Vaters eurer Kinder? Kinder profitieren enorm davon, unterschiedliche Herangehensweisen zu erleben, sie können ohne Weiteres mit ganz unterschiedlichen Stilen umgehen und gewinnen dadurch ungemein hinzu.
6. Macht ihr euch ständig Sorgen?
Steckt mehr Angst als Vertrauen in euch, wenn es um das Abgeben von Verantwortung geht? Dann versucht herauszufinden, woher tiefergehende Ängste kommen, und macht euch immer wieder bewusst, wie gering das Risiko bei vielen Dingen am Ende ist. Und meine Erfahrung: Auch Väter können Verantwortung für die Sicherheit und die Entwicklung eurer Kinder übernehmen!
7. Woher kommt eure Zurückhaltung?
Was habt ihr selbst für eine Vatererfahrung, wie stark haben eure eigenen Mütter das „Primat der Erziehung“ vorgelebt? Was würdet ihr euch wünschen? Und was müsstet ihr dafür ändern? Schreibt dazu einmal eine Liste oder holt euch Unterstützung, wenn es zu oft zu Konflikten kommt.
8. Geteilte Verantwortung in wesentlichen Fragen
Große Entscheidungen für das eigene Kind gemeinsam und ohne viel Stress zu treffen, fällt vielen Eltern schwer. Bei der Fülle an Optionen, Büchern und gut gemeinten Hinweisen von Familie und Freunden fühlt man sich schnell überfordert, ob getrennt oder als Paar. Entlastend ist es, wenn ihr euch klarmacht, dass die wichtigen Fragen im Leben eures Kindes nicht an einem Elternteil allein hängen und ihr diese Verantwortung zu zweit tragen dürft. Der wertschätzende Austausch zwischen euch und das gemeinsame Lernen sind das wichtigste Fundament für eine gute Atmosphäre für das Aufwachsen eurer Kinder. Wenn ihr euch allein fühlt, thematisiert das. Bleibt dran.
9. Ein Vater ist immer nur so gut mit seinen Kindern, wie er es mit sich selbst ist
Ausgeglichenheit, Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung sind wichtige Faktoren, die die Beziehung zum Kind prägen. Genau wie ihr braucht ein Vater auch Auszeiten, Zeiten, in denen er selbst Dinge machen kann, die ihm die Sicherheit geben, auch noch ein eigenständiger Mann zu sein. Und nein, die Arbeit ist in den seltensten Fällen ein ausreichender Ort zum Ausgleich. Viele Väter nehmen allerdings ihre Verantwortung so ernst, dass sie ihre Grenzen permanent überschreiten und dadurch kaum noch präsent, liebevoll und zufrieden sein können.
10. Achtet auf euch als Paar
Reserviert euch jede Woche Zeit für euch, Zeit, um über anderes als die Kinder zu sprechen, aber auch um wesentliche Familienthemen anzugehen. Nehmt die Väter eurer Kinder ernst, teilt euren Mental Load in einer Weise, die ebenfalls bedürfnisorientiert ist. In vielen Fällen ist Vätern nicht bewusst, wie viel ihr (allein) schultert und wie gut euch Wertschätzung dafür tut. Doch im besten Falle könnt ihr euch gegenseitig dabei unterstützen, die hohe Verantwortung für eure Familie zu übernehmen und zu teilen.
Passend dazu habe ich über zehn Gründe für mehr Umgang mit dem Vater geschrieben. Und wenn ihr einen Schritt weitergehen wollt: Elternschaft auf Augenhöhe. Alle Texte dazu findet ihr gesammelt in der Übersicht Vater bleiben nach der Trennung.
Wenn ihr tiefer einsteigen wollt: Im Vaterherz® Podcast spreche ich in vielen Folgen über Vatersein, Partnerschaft und Erziehung. Und in meinem Buch „Radikal Vater sein“, erschienen im Oktober 2026, führe ich 24 Schlüssel in den vier Dimensionen Selbst, Familie, Beruf und Gesellschaft aus. Ihr bekommt es direkt bei mir, auf Wunsch signiert.
Passt auf euch auf!






